Die häufigste Kollagenose ist das Sjögren-Syndrom, benannt nach einem schwedischen Augenarzt. Dieser erkannte zuerst den Krankheitswert des „trockenen Auges“, also einer deutlich verminderten Tränensekretion. Dies ist eines der Hauptsymptome des Sjögren-Syndroms (Sicca-Symptomatik). Die Patienten klagen häufig über Augenbrennen, Augenschmerzen, Lichtempfindlichkeit der Augen, Reibegefühl, paradoxerweise manchmal auch über einen vermehrten Tränenfluss. Der resultiert daraus, dass nicht nur zu wenig Tränenflüssigkeit produziert wird, sondern die Qualität auch nicht die notwendige ist. Da eine ausreichende Tränensekretion mit vollständiger Benetzung des Augapfels die Hornhaut schützt, führt eine verringerte Tränensekretion zu Schäden der Hornhaut mit Verletzung oder Geschwürbildungen (regelmäßige Augenarztuntersuchungen). Rund ein Drittel der Bevölkerung leidet heute an einer (isoliert) verminderten Tränensekretion, wohl auch ausgelöst durch verschiedene Umwelteinflüsse (unter anderem trockene Raumluft), häufig auch durch Medikamente (Psychopharmaka, Betablocker). Über trockene Augen klagen zudem auch ein Drittel der Patienten mit Rheumatoider Arthritis (Sekundäres Sjögren-Syndrom).

Beim primären Sjögren-Sydrom jedoch sind neben der Tränensekretion auch eine Reihe weiterer Drüsen in ihrer Funktion gestört: Speicheldrüsen mit teilweisem Anschwellen (Mumps-ähnliches Bild) und Mundtrockenheit (hohe Gefahr einer rapiden Karies, da hierfür der Speichel eine Schutzfunktion hat), Trockenheit im Genitalbereich, Beeinträchtigung der Verdauungsdrüsen (insbesondere Bauchspeicheldrüse=Pancreas), Trockenheit in den Atemwegen (Nase und Bronchialschleimhaut). Fast alle Patienten haben rheumatische Beschwerden wie Gelenk- und Muskelschmerzen, selten Gelenkschwellungen. Neben der Befragung kann der Arzt die verminderte Tränensekretion mit dem sogenannten. Schirmer-Test sehr einfach feststellen: Dabei legt er dem Patienten einen kleinen löschblatt-ähnlichen Streifen in den Augenwinkel des Unterlides. Bei normaler Tränensekretion sind die Streifen in kürzester Zeit durchnässt, bei verminderter Sekretion ist dies auch nach zwei Minuten noch nicht der Fall.

Die Speicheldrüsenfunktion lässt sich ebenfalls durch einfache Tests untersuchen (Durchfeuchten und damit Gewichtszunahme eine Mulltupfers nach einigen Minuten im Mund). Durch die Entnahme einer winzigen Gewebeprobe aus der Lippenschleimhaut, die sehr reich an Drüsen ist, lässt sich die Entzündung der Drüsen mikroskopisch histologisch nachweisen.

Bei vielen Patienten findet man im Blut Autoantikörper, neben ANA, Anti-Ro (SS-A) und Anti-La (SS-B), sämtlich Autoantikörper gegen Zellkernbestandteile. Die Namen sind jenen Patienten entlehnt, bei denen diese Autoantikörper erstmals gefunden wurden.

Innere Organe sind beim Sjögren-Syndrom vergleichsweise selten einbezogen. Die größere Gefahr beim Sjögren-Syndrom beruht auf einem deutlich erhöhtem Risiko, bösartige Erkrankungen des Lymphsystems (bösartige Lymphome) zu entwickeln. Patienten mit Sjögren-Syndrom müssen deshalb regelmäßig daraufhin untersucht werden.

Die Therapie des Sjögren-Syndroms erfolgt in erster Linie symptomatisch, also: Ersatz der verminderten Drüsensekrete (Tränenersatz, Speichelersatz und sorgfältigste Mundpflege, Anfeuchten der Schleimhäute der Nase und Bronchien) und Medikamente, die die Drüsensekretionen anregen (beispielsweise das hustenschleimlösende Mittel Bisolvon). Wenn die begleitenden rheumatischen Beschwerden stark sind und cortisonfreie Antirheumatika nicht ausreichen, kommen niedrig dosiert Cortison und Antimalariamittel zum Einsatz.

 

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